Wirtschaftlichkeit einer Photovoltaikanlage berechnen:

So entsteht eine realistische Kalkulation

Eignung sowie Nutzen einer Photovoltaikanlage hängen stets vom Einzelfall ab. Wichtige Faktoren bilden hierbei der Standort, die Anschaffungskosten, die gewonnene Sonnenenergie, der tatsächliche Strombedarf, die Finanzierung sowie die langfristigen Rechenannahmen.

Eine solide Finanzanalyse weist daher mehr als eine schnelle Amortisation aus. Sie offenbart die zugrundeliegenden Zahlen, testet die Empfindlichkeit des Ergebnisses gegenüber Schwankungen und beziffert anfallende Ausgaben über die gesamte Laufzeit.



Dieser Ratgeber beleuchtet die zentralen Kennzahlen. Ein einfaches Beispiel verdeutlicht den Schritt-für-Schritt-Aufbau einer klaren Kalkulation.

Inhaltsverzeichnis

Das Wichtigste in Kürze

Der wirtschaftliche Nutzen einer Photovoltaikanlage ergibt sich aus zwei Quellen:

  1. dem Wert des selbstgenutzten Solarstroms und
  2. den Einnahmen für das Einspeisen des überschüssigen Stroms.

 

Folgende Posten verringern diesen Ertrag:

  • Kaufpreis
  • laufende Betriebskosten
  • Zinsen für Kredite
  • anfallende Reparaturen
  • neue Bauteile nach einigen Jahren
  • eventuelle Steuern.


Betrachten Sie einen Batteriespeicher getrennt von der Anlage. Ein Speicher steigert den Eigenverbrauch, kostet aber extra Geld, verliert Energie beim Laden und altert im Laufe der Jahre.

Was bedeutet „wirtschaftlich“?

Je nach persönlichem Ziel kann Wirtschaftlichkeit unterschiedlich bewertet werden.

Amortisationszeit

Die Amortisationszeit beschreibt, nach wie vielen Jahren die ursprüngliche Investition rechnerisch durch Einsparungen und Einnahmen ausgeglichen ist.

Jährlicher Überschuss

Der jährliche Überschuss zeigt, welcher finanzielle Nutzen nach Abzug der laufenden Kosten verbleibt.

Rendite

Die Rendite setzt den wirtschaftlichen Nutzen ins Verhältnis zum eingesetzten Kapital.

Kapitalwert

Der Kapitalwert berücksichtigt, dass eine Zahlung heute einen anderen Wert hat als eine Zahlung in zehn oder zwanzig Jahren. Zukünftige Einnahmen und Kosten werden deshalb abgezinst.

Autarkiegrad

Der Autarkiegrad zeigt, welcher Anteil des gesamten Stromverbrauchs durch die eigene PV-Anlage und gegebenenfalls einen Speicher gedeckt wird.

Eigenverbrauchsquote

Die Eigenverbrauchsquote zeigt, welcher Anteil des erzeugten Solarstroms direkt im Gebäude oder über einen Speicher selbst genutzt wird.

Ein hoher Autarkiegrad ist nicht automatisch mit einer hohen Rendite gleichzusetzen. Zusätzliche Speicherkapazität kann die Autarkie erhöhen, gleichzeitig aber die Amortisationszeit verlängern.

Welche Photovoltaiklösung passt zu Ihrem Gebäude?

Wir betrachten Dachfläche, Stromverbrauch, Elektroinstallation und zukünftige Verbraucher als zusammenhängendes System.

Investitionskosten vollständig erfassen

Eine vollständige Wirtschaftlichkeitsberechnung umfasst mehr als den bloßen Kaufpreis für Module sowie Wechselrichter.
Folgende Posten fallen als Investitionskosten an:

  • Solarmodule
  • Wechselrichter
  • Unterkonstruktion
  • Montage
  • Gerüst
  • Elektroinstallation
  • Überspannungsschutz
  • Anpassung des Zählerschranks
  • Leitungswege
  • Batteriespeicher
  • Energiemanagementsystem
  • Ersatzstromtechnik
  • Wallbox
  • Netzanschlussarbeiten
  • Planung
  • Anmeldung
  • Dokumentation
  • gegebenenfalls statische Prüfung


Vergleicher von Angeboten kontrollieren diese einzelnen Positionen auf Vollständigkeit. Fehlen Zählerschrank, Gerüst oder erforderliche Elektroarbeiten im Erstangebot, fordern Betriebe diese Kosten später nach und treiben den Endpreis nach oben.

Den zu erwartenden Jahresertrag bestimmen

Der Jahresertrag wird vereinfacht aus Anlagenleistung und spezifischem Ertrag berechnet:

Jahresertrag = Anlagenleistung in kWp × spezifischer Ertrag in kWh/kWp

Beispiel:

  • Anlagenleistung: 10 kWp
  • angenommener spezifischer Ertrag: 950 kWh/kWp
  • erwarteter Jahresertrag: 9.500 kWh


Der tatsächliche Ertrag hängt ab von:

  • Standort
  • Ausrichtung
  • Dachneigung
  • Verschattung
  • Modultemperatur
  • Wechselrichter
  • Leitungsverlusten
  • Anlagenverfügbarkeit
  • Wetter
  • Verschmutzung
  • Alterung


Für eine projektbezogene Prognose sollten konkrete Standort- und Belegungsdaten verwendet werden. Das PVGIS-System der Europäischen Kommission kann als Grundlage für eine standortbezogene Ertragsabschätzung dienen.

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Eigenverbrauch realistisch einschätzen

Eigener Solarstrom spart meist mehr Geld als der Verkauf ins Netz bringt. Jede selbst genutzte Kilowattstunde macht den teuren Einkauf beim Stromanbieter überflüssig.

Wer tagsüber viel Energie nutzt, steigert die eigene Ersparnis deutlich.

Ein hoher Eigenverbrauch gelingt besonders gut, wenn Geräte tagsüber laufen:

  • Homeoffice
  • Gewerbebetrieb
  • Wärmepumpe
  • Klimaanlage
  • elektrische Warmwasserbereitung
  • Elektrofahrzeug
  • Kühltechnik
  • Maschinen
  • steuerbare Haushaltsgeräte


Berechnung des Werts des Eigenverbrauchs

Wert des Eigenverbrauchs = selbst verbrauchte Strommenge × vermiedener Strombezugspreis

Beispiel:

  • selbst verbrauchter Solarstrom: 2.700 kWh
  • angenommener Strompreis: 0,34 Euro/kWh


2.700 kWh × 0,34 Euro = 918 Euro pro Jahr


Ein realistischer Strompreis bildet die Grundlage dieser Rechnung. Wer über Jahrzehnte hinweg nur mit drastisch kletternden Preisen kalkuliert, erhält ungenaue Ergebnisse.

Einspeisevergütung berücksichtigen

Strom, der nicht selbst verbraucht wird, kann in das öffentliche Netz eingespeist werden. Die Höhe der Einspeisevergütung hängt insbesondere vom Zeitpunkt der Inbetriebnahme, von der Anlagenleistung und von der gewählten Einspeiseform ab.

Für Gebäudeanlagen mit Inbetriebnahme zwischen dem 1. Februar und dem 31. Juli 2026 veröffentlicht die Bundesnetzagentur folgende Vergütungssätze für die feste Einspeisevergütung:

LeistungsstufeTeileinspeisungVolleinspeisung
bis 10 kW7,78 ct/kWh12,34 ct/kWh
bis 40 kW6,73 ct/kWh10,35 ct/kWh
bis 100 kW5,50 ct/kWh10,35 ct/kWh

Die Leistungsstufen werden anteilig angewendet. Bei einer Anlage mit mehr als 10 kW erhält daher nicht die gesamte Strommenge automatisch den Vergütungssatz der nächsthöheren Stufe. Außerdem verändern sich die veröffentlichten Werte abhängig vom Inbetriebnahmezeitraum.

Berechnung der Einspeiseerlöse

Einspeiseerlös = eingespeiste Strommenge × Vergütungssatz

Beispiel:

  • eingespeister Strom: 6.800 kWh
  • angenommene Vergütung: 0,0778 Euro/kWh


6.800 kWh × 0,0778 Euro = 529,04 Euro pro Jahr

Teileinspeisung oder Volleinspeisung vergleichen

Bei der Teileinspeisung wird der Solarstrom zunächst im Gebäude genutzt. Nur der Überschuss wird eingespeist.
Bei der Volleinspeisung wird der erzeugte Strom vollständig ins öffentliche Netz abgegeben. Dafür gelten höhere Vergütungssätze.

Welche Variante wirtschaftlich günstiger ist, hängt ab von:

  • Stromverbrauch
  • zeitlichem Lastprofil
  • Strombezugspreis
  • Anlagenleistung
  • Einspeisevergütung
  • zusätzlichem Mess- und Installationsaufwand
  • langfristiger Nutzung des Gebäudes


Vereinfachter Vergleich einer 10-kWp-Anlage

Angenommener Jahresertrag: 9.500 kWh

Volleinspeisung

9.500 kWh × 0,1234 Euro = 1.172,30 Euro pro Jahr

Teileinspeisung

Angenommen:

  • Eigenverbrauch: 2.700 kWh
  • Einspeisung: 6.800 kWh
  • Strompreis: 0,34 Euro/kWh
  • Vergütung: 0,0778 Euro/kWh


Wert des Eigenverbrauchs: 2.700 kWh × 0,34 Euro = 918 Euro

Einspeiseerlös: 6.800 kWh × 0,0778 Euro = 529,04 Euro

Gesamtnutzen: 918 Euro + 529,04 Euro = 1.447,04 Euro pro Jahr

In diesem vereinfachten Beispiel ist die Teileinspeisung vorteilhafter. Das Ergebnis kann bei einem niedrigeren Stromverbrauch oder anderen Preisannahmen abweichen.

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Laufende Betriebskosten einrechnen

Photovoltaikanlagen haben vergleichsweise geringe laufende Kosten. Eine Kalkulation ganz ohne Betriebskosten ist dennoch unrealistisch.

Mögliche Positionen sind:

  • Versicherung
  • Wartung
  • Anlagenüberwachung
  • Messstellenbetrieb
  • Reinigung bei besonderem Bedarf
  • Reparaturen
  • Austausch von Kommunikationskomponenten
  • Steuerberatung in komplexeren Fällen
  • Rücklagen für größere Reparaturen


Auch kleine jährliche Beträge wirken sich über 20 oder 25 Jahre auf das Gesamtergebnis aus.

Wechselrichter und spätere Ersatzinvestitionen

Solarmodule halten viele Jahre durch. Andere Bauteile verlieren häufig schon früher ihre Funktion oder arbeiten nicht mehr wirtschaftlich. Ein langfristig angelegter Finanzplan beinhaltet finanzielle Reserven oder konkrete Schritte zum Ersetzen folgender Teile:

  • Wechselrichter
  • Batteriespeicher
  • Kommunikationsgeräte
  • Sensoren
  • Überspannungsschutz
  • einzelne defekte Module
  • sonstige Leistungselektronik


Niemand tauscht zwingend die gesamte Anlage zu einem starren Datum aus. Dennoch kalkulieren vorausschauende Betreiber mit einzelnen Reparaturen innerhalb von 25 Jahren.

Finanzierungskosten berücksichtigen

Wer die Anlage über einen Kredit finanziert, rechnet Zinsen sowie Gebühren zu den Gesamtkosten hinzu. Folgende Punkte fließen in die Berechnung ein:

  • Darlehensbetrag
  • Zinssatz
  • Laufzeit
  • Tilgung
  • Sondertilgungsmöglichkeiten
  • anfängliche monatliche Rate
  • Eigenkapitaleinsatz
  • mögliche Vorfälligkeitskosten


Manche Anlagen erwirtschaften über ihre gesamte Nutzungsdauer einen Gewinn, erzeugen zu Beginn aber rote Zahlen. Das geschieht, sobald die monatliche Kreditüberweisung den Ertrag aus dem laufenden Jahr übersteigt.

Cashflow statt nur Amortisation betrachten

Private Betreiber stellen sich meist diese Frage:

Übersteigen Einsparung aber auch Einspeiseerlös die Kreditrate samt den laufenden Kosten?

Diese Prüfung ergänzt die langfristige Gesamtrendite sinnvoll.

Steuern und Nullsteuersatz

Unter bestimmten gesetzlichen Bedingungen sinkt die Umsatzsteuer für ausgewählte Photovoltaikanlagen auf null Prozent. Laut § 12 Absatz 3 UStG betrifft das Solarmodule, wichtige Bauteile sowie Speicher. Voraussetzung bleibt die Montage an oder nahe passenden Gebäuden. Bei Anlagen mit maximal 30 kWp Leistung vereinfacht das Gesetz den Nachweis der passenden Gebäude.

Kaufen, starten oder erweitern Betreiber eine Anlage nach dem 31. Dezember 2024, entfällt die Einkommensteuer bis zu einer Grenze von 30 kWp pro Wohn- oder Gewerbeeinheit. Für jede Person gilt dabei ein oberes Limit von insgesamt 100 kWp. Das jeweilige Gebäude, der Betreiber und bereits vorhandene Anlagen bestimmen die genaue steuerliche Einordnung.

Folgende Fälle erfordern eine eigene steuerliche Bewertung:.

  • mehrere Gebäude
  • mehrere Anlagen
  • mehrere Betreiber
  • Gemeinschaften und Gesellschaften
  • Gewerbeimmobilien
  • Freiflächenanlagen
  • Anlagen oberhalb der Grenzwerte
  • Stromlieferung an Dritte
  • Mieterstrom oder gemeinschaftliche Gebäudeversorgung


Dieser Ratgeber ersetzt keine steuerliche Beratung.

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Ein vollständiges Rechenbeispiel

Das folgende Beispiel zeigt die Berechnungslogik. Die genannten Preise sind frei gewählte Annahmen und keine Aussage über marktübliche Angebote.

Annahmen

PositionAnnahme
Anlagenleistung10 kWp
Jahresertrag9.500 kWh
Investitionskosten15.000 Euro
Stromverbrauch des Haushalts4.500 kWh
direkter Eigenverbrauch2.700 kWh
Netzeinspeisung6.800 kWh
angenommener Strompreis0,34 Euro/kWh
Einspeisevergütung0,0778 Euro/kWh
jährliche Betriebskosten und Rücklage180 Euro

Wert des Eigenverbrauchs

2.700 kWh × 0,34 Euro = 918 Euro

Einspeiseerlös

6.800 kWh × 0,0778 Euro = 529,04 Euro

Brutto-Jahresnutzen

918 Euro + 529,04 Euro = 1.447,04 Euro

Jährlicher Nettonutzen

1.447,04 Euro − 180 Euro = 1.267,04 Euro

Vereinfachte Amortisationszeit

15.000 Euro ÷ 1.267,04 Euro = rund 11,8 Jahre

Diese einfache Rechnung berücksichtigt noch nicht:

  • Finanzierungskosten
  • Veränderungen des Strompreises
  • Ertragsalterung
  • mögliche Reparaturen oberhalb der Rücklage
  • zeitlichen Wert des Geldes
  • individuelle steuerliche Effekte


Sie eignet sich deshalb zur ersten Orientierung, aber nicht als vollständige Investitionsrechnung.

Batteriespeicher separat bewerten

Ein häufiger Fehler besteht darin, PV-Anlage und Batteriespeicher nur als Gesamtpaket zu bewerten. Dadurch bleibt unklar, welchen zusätzlichen wirtschaftlichen Nutzen der Speicher tatsächlich erzeugt.

Der Speicher sollte mit einer Differenzrechnung bewertet werden:

  1. Wie hoch ist der Eigenverbrauch ohne Speicher?
  2. Wie hoch ist der Eigenverbrauch mit Speicher?
  3. Wie viele zusätzliche Kilowattstunden werden selbst genutzt?
  4. Welche Einspeiseerlöse gehen dadurch verloren?
  5. Welche Speicherverluste entstehen?
  6. Welche zusätzlichen Kosten verursacht der Speicher?
  7. Wie lange halten Speicher und Leistungselektronik?


Vereinfachtes Zusatzbeispiel

Ohne Speicher:

  • Eigenverbrauch: 2.700 kWh
  • Einspeisung: 6.800 kWh


Mit Speicher angenommen:

  • Eigenverbrauch: 4.000 kWh
  • Einspeisung: 5.500 kWh


Zusätzlich selbst genutzt:

1.300 kWh

Zusätzlicher Wert durch vermiedenen Netzbezug:

1.300 kWh × 0,34 Euro = 442 Euro

Entgangene Einspeisevergütung:

1.300 kWh × 0,0778 Euro = 101,14 Euro

Zusätzlicher Bruttonutzen:

442 Euro − 101,14 Euro = 340,86 Euro pro Jahr

Davon müssten Speicherverluste, zusätzliche Betriebskosten und mögliche Ersatzinvestitionen abgezogen werden.

Kostet der Speicher in diesem frei gewählten Beispiel zusätzlich 7.000 Euro, wäre die einfache Amortisationszeit des Speichers allein bereits deutlich länger als 20 Jahre. Das bedeutet nicht, dass ein Speicher grundsätzlich unwirtschaftlich ist. Es zeigt, warum er separat und anhand realistischer Daten bewertet werden muss.

Weitere Gründe für einen Speicher können sein:

  • Ersatzstrom
  • höherer Autarkiegrad
  • dynamische Stromtarife
  • Begrenzung von Einspeisespitzen
  • persönliche Versorgungssicherheit


Diese Nutzenaspekte sind nicht immer vollständig in einer einfachen Amortisationsrechnung abbildbar.

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Strompreissteigerungen vorsichtig modellieren

Der zukünftige Strompreis hat großen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit. Niemand kann jedoch den Haushaltsstrompreis der kommenden 20 Jahre zuverlässig vorhersagen.

Sinnvoll ist eine Szenariorechnung:

Vorsichtiges Szenario

  • weitgehend stabiler realer Strompreis
  • geringerer Jahresertrag
  • höhere Reparaturkosten
  • konservativer Eigenverbrauch

Mittleres Szenario

  • moderate Preisentwicklung
  • erwarteter Ertrag
  • übliche Rücklagen
  • realistischer Eigenverbrauch

Optimistisches Szenario

  • steigender Strompreis
  • hoher Ertrag
  • hoher Eigenverbrauch
  • geringe Reparaturkosten

Eine wirtschaftliche Entscheidung sollte nicht ausschließlich vom optimistischen Szenario abhängen.

Ertragsminderung und Anlagenalterung

Solarmodule verlieren im Laufe ihrer Betriebszeit üblicherweise einen Teil ihrer Leistung. Zusätzlich können Verschmutzung, neue Verschattung, technische Ausfälle oder längere Störungen den Ertrag reduzieren.

Eine langfristige Berechnung kann deshalb mit einer moderaten jährlichen Ertragsminderung arbeiten.

Wichtig ist, die Annahme sichtbar auszuweisen. Es ist problematisch, über 25 Jahre jedes Jahr den vollen Ertrag des ersten Betriebsjahres anzusetzen.

Kapitalwert statt einfacher Amortisation

Die einfache Amortisation ist leicht verständlich, hat aber Grenzen. Sie behandelt einen Euro in 15 Jahren wie einen Euro heute.

Eine genauere Bewertung verwendet den Kapitalwert:

Kapitalwert = Summe der abgezinsten zukünftigen Zahlungsüberschüsse − Anfangsinvestition

Ein positiver Kapitalwert bedeutet, dass die Anlage unter den verwendeten Annahmen die geforderte Mindestverzinsung erreicht.

Dafür werden benötigt:

  • Kalkulationszins
  • jährliche Einnahmen und Einsparungen
  • laufende Kosten
  • Ersatzinvestitionen
  • Restwert
  • Betrachtungszeitraum


Für private Einfamilienhäuser reicht häufig eine transparente Szenariorechnung. Bei größeren Gewerbe- und Landwirtschaftsanlagen sollte eine Kapitalwert- und Liquiditätsberechnung Standard sein.

Wirtschaftlichkeit bei Gewerbebetrieben

Bei Gewerbeanlagen sind Lastprofile besonders wichtig.

Ein Betrieb mit hohem Tagesverbrauch kann einen großen Anteil des Solarstroms direkt nutzen. Dadurch kann die Wirtschaftlichkeit auch bei geringerer Einspeisevergütung attraktiv sein.

Zusätzlich können relevant sein:

  • Viertelstunden-Lastgänge
  • Leistungspreise
  • Spitzenlasten
  • mehrere Verbrauchsstellen
  • Fuhrpark und Ladeinfrastruktur
  • Gewerbespeicher
  • steuerliche Abschreibung
  • Finanzierung
  • Eigenkapitalrendite
  • Liquidität
  • Betriebserweiterungen

Eine Gewerbeanlage sollte nicht allein anhand des jährlichen Gesamtverbrauchs berechnet werden.

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Häufige Fehler in Wirtschaftlichkeitsberechnungen

Erzeugung mit Eigenverbrauch gleichsetzen

Nicht jede erzeugte Kilowattstunde wird selbst genutzt.

Speicherverluste ignorieren

Beim Laden, Speichern und Entladen entstehen Umwandlungs- und Bereitschaftsverluste.

Laufende Kosten auf null setzen

Versicherung, Wartung, Messung und Reparaturen sollten berücksichtigt werden.

Wechselrichter und Speicher über 25 Jahre unverändert einplanen

Mögliche Ersatzinvestitionen gehören zumindest in ein Risikoszenario.

Mit einem dauerhaft stark steigenden Strompreis rechnen

Die Kalkulation wird dadurch schnell zu optimistisch.

Nebenkosten des Angebots übersehen

Gerüst, Zählerschrank oder Elektroarbeiten können erhebliche Zusatzkosten verursachen.

Nur die Amortisationszeit betrachten

Liquidität, Kapitalwert, Risiko und technischer Nutzen sind ebenfalls wichtig.

Autarkie als Rendite behandeln

Ein hoher Autarkiegrad kann emotional oder strategisch wertvoll sein, ist aber kein direkter Renditekennwert.

Checkliste für eine belastbare Wirtschaftlichkeitsberechnung

  • vollständige Investitionskosten
  • konkreter Jahresertrag
  • Verschattung berücksichtigt
  • Eigenverbrauch nachvollziehbar berechnet
  • Einspeisevergütung korrekt angesetzt
  • Strompreisannahme offengelegt
  • laufende Kosten berücksichtigt
  • Reparaturrücklage berücksichtigt
  • Speicher separat bewertet
  • Finanzierung eingerechnet
  • steuerliche Situation geprüft
  • vorsichtiges Szenario berechnet
  • Betrachtungszeitraum angegeben
  • zukünftige Verbraucher berücksichtigt

Häufig gestellte Fragen

Nach wie vielen Jahren amortisiert sich eine PV-Anlage?

Das hängt von Investitionskosten, Ertrag, Eigenverbrauch, Strompreis, Vergütung und Finanzierung ab. Pauschale Zeitangaben ohne diese Daten sind wenig aussagekräftig.

Ist eine große PV-Anlage wirtschaftlicher als eine kleine?

Zusätzliche Module können vergleichsweise günstig sein, weil bestimmte Projektkosten ohnehin anfallen. Ob eine größere Anlage wirtschaftlicher ist, hängt jedoch von Dachfläche, Einspeisung, Netzanschluss und Zusatzkosten ab.

Verbessert ein Batteriespeicher immer die Wirtschaftlichkeit?

Nein. Er erhöht normalerweise den Eigenverbrauch, verursacht aber zusätzliche Kosten und Verluste. Sein Mehrwert sollte separat berechnet werden.

Was ist wirtschaftlich wichtiger: Eigenverbrauch oder Einspeisung?

Bei typischen Haushaltsstrompreisen ist eine selbst verbrauchte Kilowattstunde häufig mehr wert als eine eingespeiste. Trotzdem kann auch eine hohe Einspeisung wirtschaftlich sinnvoll sein, wenn die Anlage günstig und ertragreich ist.

Sollte mit steigenden Strompreisen gerechnet werden?

Eine moderate Annahme kann in einem Szenario verwendet werden. Die Entscheidung sollte aber nicht ausschließlich von stark steigenden Strompreisen abhängen.

Ist die Einspeisevergütung garantiert?

Der bei Inbetriebnahme geltende Förderwert wird nach den gesetzlichen Regelungen bestimmt. Die konkrete Höhe und Dauer hängen vom jeweiligen Förderregime und der Anlage ab.

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